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Chinas Deflation

  • Chinas Deflation hat seit mehr als einem Jahrzehnt die Weltmarktpreise gedrückt, aber jetzt gibt es Anzeichen, dass diese Phase endet.
  • Das kann dazu führen, dass die US-Inflation sich beschleunigt, was wiederum bedeuten könnte, dass die Fed mit ihren geplanten Zinserhöhungen zu langsam reagiert.
  • Dies könnte zu einer globalen Verkaufswelle von Anleihen führen und vorübergehen auch auf die Aktienmärkte drücken.

Seit mehr als einem Jahrzehnt hat die chinesische Preispolitik den Welthandel dominiert. Die Niedrigpreisgüter aus den Häfen Shanghais, Shenzen und Hongkong haben den Weltmarkt überschwemmt. Die Hersteller weltweit waren dazu gezwungen, ihre Preise zu senken. Fast alle Sektoren waren betroffen: Eisen und Stahl, Kleidung, Spielzeug bis hin zu elektronischen Komponenten wurden billig angeboten.

Bei den Zentralbanken hat die weltweite deflationäre Entwicklung zu einer fast pathologischen Angst geführt. Die Angst, dass wegen fallender Preise die Schulden nicht mehr bedient werden können und sich daraus eine neue Finanzkrise entwickelt. Die Antwort der Zentralbanken war ein aggressives Rennen, die Geldmenge immer weiter auszuweiten. Dadurch sollte eine Stärke der eigenen Währung verhindert werden.

Die Ergebnisse heute sind:

  • extrem niedrige oder negative Zinsen,
  • massive Anleihekäufe durch die Zentralbanken
  • und in einigen Fällen direkte Deviseninterventionen (z.B. Schweiz).

In den USA, wo die wirtschaftliche Erholung weiter fortgeschritten ist als anderswo, hat dieser Wettbewerb dazu geführt, dass trotz gesunder Wirtschaft die Zinsen weiter tief bleiben. Das Notenbanker-Treffen im September hat diese (Fehl)-Entwicklung nochmals manifestiert.

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Endlich aber gibt es Anzeichen, dass die Deflation in China endet. Der Erzeugerpreisindex im Dezember letzten Jahres ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 20 Jahren gesunken (mit Ausnahme von wenigen Monaten während der Finanzkrise). Der Index ist in diesem Jahr jeden Monat gestiegen. Im August lag der Wert um 5,4 Prozent über dem Stand von Dezember letzten Jahres. Während dies zum Teil externe Faktoren widerspiegelt – insbesondere die Abwertung der Währung und die breite Stabilisierung der Öl- und sonstigen Rohstoffpreise – spielen auch inländische Faktoren eine wichtige Rolle.

Die Inlandsnachfrage wurde durch eine Kreditexpansion und steigende Löhne unterstützt. Die Kapazität der chinesischen Eisen- und Stahlindustrie wurde reduziert. Da die Kürzungen bisher nicht die Vorgaben der Regierung erreicht haben, besteht das Ziel, durch weitere Kürzungen die Preise zu steigern. Auch wenn einige Kommentatoren skeptisch sind, geben die Daten eine klare Antwort. Die chinesische Zentralbank hat die Politik des billigen Geldes und Abwertung der eigenen Währung beendet.

Dies ist global relevant und besonders wichtig für die USA, wo der Druck auf die Kosten im Inland zu wachsen beginnt. Die US-Kerninflation (ohne Energie) steigt auf 1,6 Prozent (Consumer Expenditure Deflator) und berauschende 2,3 Prozent im Verbraucherpreisindex. Das Lohnwachstum wird sich wahrscheinlich in den kommenden Monaten beschleunigen, da die Arbeitslosigkeit jetzt in der Nähe des Niveaus liegt, wo das in der Vergangenheit geschehen ist. Die Kombination aus steigenden Löhnen und der Lockerung des Wettbewerbsdrucks aus China macht eine höhere US-Inflation wahrscheinlich.

Dies ist eigentlich genau das, was die Fed als Ziel angepeilt hat. Nur wenn sich diese Entwicklung in den nächsten Monaten beschleunigt, kann das zu Problemen führen. Nach der Entscheidung im September, die Zinsen weiterhin extrem tief zu halten, kann dies bei Investoren einen falschen Eindruck erwecken. Entweder weiss die Fed nicht wirklich was los ist oder sie akzeptiert eine deutlich höhere Inflationsrate als zwei Prozent. So oder so, eine Rendite der zehnjährigen US-Anleihen von rund 1,6 Prozent könnte zu niedrig sein und es besteht daher eine Gefahr des Ausverkaufs von Anleihen.

Eine zusätzliche Unbekannte ist die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl. Ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin im Weissen Haus könnte den Weg zu höheren Staatsausgaben, z.B. für Infrastrukturinvestitionen, frei machen. Wer auch immer gewinnt, eine höhere Kreditaufnahme drückt normalerweise auf die Anleihepreise.

Wenn es zum Ausverkauf von Anleihen kommt, schwächt das wahrscheinlich auch den Aktienmarkt. Einzige Ausnahme wären wahrscheinlich die Banken, die von  höheren Zinsen profitieren würden. Ein solcher Rückgang auf den Aktienmärkten ist wahrscheinlich eine Kaufgelegenheit. Globale Unternehmen werden von den neuen wettbewerbsfähigen Preisen der Chinesen mehr profitieren, als dass ein höherer Zins auf Anleihen die Gewinne belastet.

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