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Bank of England verantwortet „Flash Crash“ im Britischen Pfund

  • Die Ursache für den Flash-Crash des Britischen Pfunds war nicht die Politik, nicht der Brexit und auch nicht algorithmischer Handel. Verantwortlich war die Lockerungspolitik der Bank of England (BoE).
  • Hauptproblem ist, dass die BoE den entgegengesetzten Weg zu anderen wichtigen Zentralbanken eingeschlagen hat: Fed, EZB und Bank of Japan sprechen über eine strengere Geldpolitik und nicht über weitere Lockerung.
  • Die Lockerung in Großbritannien ist weder durch kurzfristige Wirtschaftsdaten noch durch mittelfristige Anpassungen in Bezug auf den Brexit gerechtfertigt.

Der automatisierte Computerhandel und Äußerungen von Politikern in Frankreich und Großbritannien sollen für den Crash des Britischen Pfunds in der letzten Woche verantwortlich sein. In Wahrheit aber waren es die Worte und Taten der Bank of England. Im August hat die britische Zentralbank eine Zinssenkung kombiniert mit einem aggressiven Anleihekaufprogramm eingeführt und gleichzeitig angedeutet, dass sie zu weiteren Lockerungsmassnahmen bereit sei. Innerhalb weniger Wochen haben alle anderen wichtigen Zentralbanken signalisiert, sich mit ihrer Politik genau in die entgegengesetzte Richtung und gegen weitere Lockerungen zu bewegen. Da die Geldpolitik eine dominierende Rolle an den Devisenmärkten einnimmt, hat dies das Pfund verwundbar gemacht.

Seit Mark Carney und seine Kollegen mit ihrer Lockerungspolitik begonnen haben, hat die Fed ihre Signale verstärkt, die Geldpolitik anziehen zu wollen. Investoren gehen nun mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 60% davon aus, dass die Fed die Zinsen im Dezember anheben wird. Die Bank of Japan gab ihre frühere Politik der Lockerung zugunsten einer gemischten Politik auf, die das Ziel hat, langfristig die Anleiherenditen nach oben zu bewegen. Und auch die Europäische Zentralbank hat ihren Kurs geändert, indem sie Andeutungen gemacht hat, ihr Anleihekaufprogramm zurückzufahren. Diese Entscheidungen und Veränderungen in der Kommunikation muss man vor dem Hintergrund sehen, dass die globale Inflation Steigerungstendenzen zeigt.

Wenn man sich die kurzfristige wirtschaftliche Situation im Vereinigten Königreich ansieht, liefern die Daten keine klare Begründung für den August-Stimulus der Bank of England. Als die Bank handelte, hatte eine Umfrage unter Unternehmen ergeben, dass nach dem Brexit die Zuversicht zur wirtschaftlichen Entwicklung stark gefallen war. Diese Einschätzung interpretierte die englische Zentralbank als Indikator für einen wirtschaftlichen Rückgang oder sogar die Möglichkeit einer Rezession. Historisch gesehen muss man aber feststellen, dass sich das Vertrauen der Unternehmen sehr schnell wiederfindet, der Schock nachlässt und die Menschen die Situation neu bewerten. Das ist genau, was beim Brexit passiert ist. Spätere Umfragewerte zeigten genau das gegenteilige Ergebnis mit positivem Ausblick für die Wirtschaft. Und die harten statistischen Daten zeigen, dass die britische Wirtschaft weiter moderat wächst. Nur die Industrieproduktion zeigte sich schwächer, während Exporte, Konsum und Beschäftigung in einem guten Tempo wachsen.

Auch die mittelfristigen Risiken durch den Brexit sind kaum Rechtfertigung für die Lockerungspolitik der BoE. Es ist möglich, dass der reale Wechselkurs der britischen Währung leicht sinkt, um nachteilige wirtschaftliche Auswirkungen, wie die Einführung von Zöllen oder strengere Auflagen für die Einwanderung in die EU, zu kompensieren. Was den Ausgang der Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien angeht, ist vieles noch offen und eine Einigung kann noch Jahre dauern. So erscheint es wenig sinnvoll, durch eine angepasste Zinspolitik auf eine zukünftig mögliche, aber immer noch sehr unsichere Wechselkursanpassung zu reagieren. Eine Verringerung des realen Wechselkurses könnte in der Tat erforderlich sein, wenn die Löhne und Preise in England dem Inflationsdruck nachgeben und steigen – der jetzt gesehene nominale Rückgang könnte dafür noch nicht einmal ausreichend gewesen sein.

Kurz gesagt, die Bank of England hat einen Fehler gemacht und läuft aktuell asynchron mit den anderen grossen Notenbanken. Das Pfund ist damit anfällig für weitere große Abwertungen. Zusätzlich besteht das Risiko, dass die Zinsen bei Anleihen steigen. Dieser Trend ist bei steigender Inflationsrate schwer zu kontrollieren. Die BoE sollte ihre Politik ändern und zunächst signalisieren, dass weitere Zinssenkungen unwahrscheinlich sind. Gleichzeitig sollte sie als nächsten Schritt andeuten, die Zinsen zu erhöhen und die Anleihekäufe zu beenden, um damit die Aktion im August rückgängig zu machen.

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