ALLE NACHRICHTEN

Die Inflation ist Zurück

  • Höhere Diesel- und Benzinpreise und die jüngste Schwäche des Euro sind Zeichen eines weltweiten Trends steigender Inflation
  • Es bestehen Risiken höherer Anleiherenditen und kurzfristiger Schwäche der Aktienmärkte
  • Ein Sieg von Trump würde die Unwägbarkeiten verstärken

Die Inflation ist zurück
Der Durchschnittspreis eines Liters Diesel beträgt in Deutschland im Moment beinahe 1,15 Euro. Das ist seit langem ein Höchststand, deutlich über dem August-Tiefstpreis von ca. 1,08 Euro. Während dies teilweise auf die Maßnahmen der OPEC und anderer Ölproduzenten zurückzuführen ist, die die Produktion drosseln wollen, ist es auch ein Zeichen eines umfassenderen Phänomens. Der Euro wurde im Vergleich zum Dollar kürzlich unter 1,10 gehandelt, da die zunehmende Inflation in den USA die Behörden näher an ihre erste Zinserhöhung in diesem Jahr heranführt. Und die Großhandelspreise in China haben angefangen, sich zu erholen, was die lange Deflationsperiode beendet hat.

In der Debatte zwischen jenen, die eine Verlangsamung der Weltwirtschaft fürchten mit dem Risiko einer neuen deflationären Schuldenkrise, und jenen, die glauben, dass das globale Wirtschaftswachstum derzeit angemessen ist, sehen wir uns bei Werthstein eindeutig im zweiten Lager.

Der Grund liegt nicht nur in steigender Inflation. Vielmehr vermitteln auch der deutsche IFO Geschäftsklimaindex und die US-amerikanische Konsumentenbefragung deutliche positive Signale, während andere Indikatoren eher neutral zu bewerten sind, wie die US-Arbeitsmarktdaten bzw. auch viele Indikatoren aus China; es gibt nur wenige wirklich schlechte Daten. Längerfristig erwarten wir weitere Dynamik aus neuen Technologien, wie z.B. bei Robotertechnik und Biotech, die umfangreiche Investitionen entfachen werden (beides sin Werthstein Zeitgeist-Investments).

Im Prinzip können hohe Schulden dieses Wirtschaftswachstum sicherlich aus der Spur werfen. Aber dieses Risiko sollte man nüchtern betrachten. Die Banken in Deutschland und in anderen europäischen Ländern sind aufgrund extrem hoher Strafzahlungen und strikter Regulierung natürlich unter Druck. Das sind zwar schlechte Nachrichten für die Aktionäre dieser Banken, das heißt aber nicht, dass es auch schlechte Nachrichten für die Wirtschaft sind. Die strenge Regulierung sollte die Banken schließlich krisenfester und weniger abhängig von staatlichen Rettungspaketen machen. Und dies ist auch gelungen.

In China wächst trotz der hohen Schulden das nominale BIP wesentlich schneller als in anderen großen Volkswirtschaften, was den Abbau dieser Schulden wesentlich vereinfacht. Das Problem in China ist weniger die Verschuldung als vielmehr die Aufrechterhaltung des Wachstums. In den letzten Jahren ist dies um den Preis einer in den Rest der Welt exportierten Deflation gelungen, aber die jüngsten Anzeichen für steigende Preise legen nahe, dass die Lage sich verbessern wird.

Was bedeutet das für Anleger?
Mittelfristig mit Blick in das nächste Jahr sind dies gute Nachrichten für die Aktienmärkte. Die Sache hat jedoch einen Haken, denn in den nächsten Monaten könnte es kurzfristig durchaus unangenehm werden. Weltweit haben die Zentralbanken ihren Fokus auf Schulden und das Deflationsrisiko gerichtet und glauben offenbar immer noch nicht, dass die Inflation zurückkommt. Negative oder extrem niedrige Zinsen spiegeln diesen Pessimismus wider. Seit kurzer Zeit scheinen die Anleger aber den Glauben an die Zentralbanken zu verlieren. wer während der Sommermonate zehnjährige deutsche Bundesanleihen erworben hat, bekam garantiert weniger zurückbezahlt, als er eingezahlt hatte — die Rendite war negativ. In den letzten beiden Wochen hat dies jedoch angefangen, sich zu ändern: die Rendite ist allmählich wieder im positiven Bereich. Und dies trotz der vielen Milliarden, die die Europäische Zentralbank jeden Monat in Euro-Anleihen kauft.

Wenn die Wirtschaft weiterhin wächst (wovon wir ausgehen) und die Schuldengefahr abnimmt, dann werden die Inflationsraten und Anleiherenditen in den kommenden Monaten wohl steigen. Dann würden kurzfristig die Aktienpreise nach unten gedrückt werden, bevor die guten Nachrichten über das Wachstum wieder die Oberhand gewinnen. Und falls es am 8. November zu einem unerwarteten Sieg von Donald Trump kommt, würde dies politische Unwägbarkeiten mit sich bringen und weitere kurzfristige Schwankungen verursachen. Insofern ist es nun wohl ein guter Zeitpunkt, die Aktiengewichtung im Portfolio zu verringern.

Bleiben Sie informiert

 

Abonnieren Sie den kostenlosen Werthstein Brief