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Kursverluste nach Trump-Sieg – Kaufgelegenheit für Aktien und US-Dollar

  • Fallende Aktienkurse nach der Wahl sind Kaufgelegenheit
  • US-Wirtschaft sollte von Steuersenkungen und Investitionen in Infrastruktur profitieren
  • Straffere Fed-Geldpolitik führt zu stärkerem US-Dollar und steigenden Zinsen
  • Banken und Biotech profitieren, Risiken für Technologie-Aktien

Der Wahlsieg Donald Trumps schafft vor allem eines: Tatsachen. Die Börsen zeigen sich in einer ersten Reaktion schockiert, da die bis zuletzt veröffentlichten Umfragen einen Sieg der Demokratin Clinton vorhersagten. Es ist jetzt an der Zeit, einen zweiten und längerfristigen Blick auf die möglichen Auswirkungen von Trumps US-Präsidentschaft auf die Finanzmärkte zu werfen. Der heutige Kursrutsch könnte sich am Ende als lediglich kurzfristige Reaktion herausstellen. Bald schon sollte der erste Schock der nüchternen Einschätzung darüber weichen, was Donald Trump aus seinen Wahlkampfversprechen tatsächlich umsetzen kann und wird und was nicht.

„Der Sieg Trumps ist ein Votum der Amerikaner für Veränderung, kombiniert mit einem hohen Grad an Unberechenbarkeit des Präsidenten. Seine Pläne in Sachen Wirtschaft sind nicht gut durchdacht und am Ende auch nicht wirklich finanzierbar. Die US-Wirtschaft wird darunter leiden und das politische Klima wird von Unsicherheit geprägt sein.“

CHRISTINE SHIELDS, WERTHSTEIN INSTITUTE

Gute Nachrichten für Aktien
Seine geplante Politik sieht massive Steuersenkungen für Unternehmen vor, was grundsätzlich erst einmal positiv zu werten ist. Mit einem ebenfalls von Republikanern dominierten Kongress kann er dieses Vorhaben auch problemlos umsetzen. Folge wäre eine von ihm im Wahlkampf schon angekündigte massive Ausweitung des US-Haushaltsdefizits. Über die nächsten zehn Jahre soll der amerikanische Schuldenberg um weitere fünf Billionen US-Dollar wachsen. Geplante Einschnitte ins Gesundheitssystem und sinkende Sozialausgaben fallen da kaum ins Gewicht. Daraus ableitend erwarte ich für die kommenden Jahre ein anziehendes Wirtschaftswachstum in den USA und höhere Unternehmensgewinne aufgrund der geringeren Steuerbelastung. Beides sind gute Nachrichten für die Aktienmärkte, allen voran die Wall Street. Dies sollte auch die zu erwartenden negativen Effekte höherer Zinsen und eines stärkeren US-Dollar durch die Schuldenausweitung mehr als kompensieren, so dass unter dem Strich ein positiver Netto-Effekt übrig bleibt.

„Mit Donald Trump als US-Präsident stehen die engen Handelsbeziehungen mit anderen Staaten wie Mexiko zur Disposition. Aber ich sehe auch Auswirkungen auf Europa und Asien. Europa wird in diesem Punkt keine führende Rolle mehr übernehmen können.“

VALERIE PLAGNOL, WERTHSTEIN INSTITUTE

Fed kehrt schneller zur Normalität zurück
Es ist ökonomischer Konsens, dass die US-Notenbank in Zeiten von nahezu Vollbeschäftigung dieser fiskalischen Expansion nur mit einer strafferen Geldpolitik begegnen kann. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Federal Reserve an ihrem Plan festhalten und die Zinsen im Dezember ein weiteres Mal anheben wird. Setzt Trump im kommenden Jahr die ersten Maßnahmen um, sollte die Notenbank weiter steigende Zinsen in Aussicht stellen. Was die Schulden der USA angeht, sehe ich auch nach einer Ausweitung noch keine kritischen Levels erreicht.

Biotech und Banken als Profiteure
Schauen wir auf die Branchen, die von einer US-Präsidentschaft Trumps profitieren dürften. Die Sektoren Infrastruktur und Bau sollten durch steigende Investitionen des Staates profitieren, die Bewertungen der Unternehmen allerdings haben diese Nachrichten zum Teil schon eingepreist. Der Werthstein Zeitgeist Biotech hingegen sollte einiges von dem wieder auspreisen, was sich an möglichem Druck auf die Verkaufspreise von Medikamenten und damit auf die Aktienkurse aufgebaut hat. Banken könnten am Ende die Gewinner einer mehr fiskal- und weniger geldpolitisch getriebenen Unterstützung für die Wirtschaft sein. Europa würde seine Politik des billigen Geldes und negativer Zinsen schneller beenden können, wovon europäische Geldhäuser profitieren dürften. Verlierer wären auf der anderen Seite Technologie-Unternehmen, die aus steuerlichen Gründen ihre Geschäfte ins Ausland verlagert haben und jetzt Probleme mit Trumps geplanten Strafzahlungen bekommen.

Fazit
Bleibt noch eine Unbekannte: Trump hat sich bislang als entschiedener Gegner offener Märkte und bestehender Handelsbeziehungen präsentiert. Hier könnte einiges Ungemach drohen, was solche gegenwärtigen und zukünftigen Abkommen angeht. Alles in allem aber überwiegen aus meiner Sicht die positiven Effekte eines anpackenden und zugreifenden US-Präsidenten Donald Trump, dessen republikanische Partei auch den Kongress dominieren wird. Risikopapiere wie Aktien sollten langfristig profitieren und die Kursverluste direkt nach der Wahl bilden dafür eine gute Kaufgelegenheit.

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