Die Biotechnologie wird bis 2020 und darüber hinaus der entscheidende Trend sein. Man sollte daher in einen Fonds investieren, der viele Unternehmen im Portfolio vereint, die im Hinblick auf die Schlüsseltechnologien bereits große Fortschritte erzielt haben.

Die Biotechnologie, die Verwendung lebender Organismen zur Entwicklung und Herstellung von Produkten, ist ein weites Feld, das viele Bereiche umfasst, angefangen von Arzneimitteln und Energie bis zu den mitunter umstrittenen Reproduktionssystemen und Agrikultur. Sie existiert bereits seit Jahrtausenden, in den letzten Jahrzehnten hat sie jedoch ein enormes Wachstum zu verzeichnen, da die an den Universitäten gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse nunmehr in die Wirtschaft Eingang finden. Durch die digitale Revolution wurde der Fortschritt zusätzlich beschleunigt, da Biotech-Forscher anhand von extensiven Statistiken und hochmodernen Computern mögliche Ergebnisse berechnen können, bevor kostenintensive Versuchsreihen gestartet werden müssen.

Aspirin war nur der Anfang

Das Gesundheitswesen ist bislang mit Abstand der für die kommerzielle Anwendung von Biotechnologie größte Sektor, da dieses Feld die chemische Zusammensetzung von Medikamenten auf eine völlig neue Ebene hebt. Aspirin besteht aus 21 Atomen, während von Biochemikern entwickelte Arzneimittel 25.000 Atome enthalten können. Die Anpassung von Medikamenten heutzutage ist indes nur möglich, indem Ärzte ein Mittel aus einer begrenzten Liste von Arzneien auswählen und die Dosis entsprechend abstimmen. In Zukunft werden Medikamente auf jeden Patienten persönlich zugeschnitten.

Einige moderne Biotech-Verfahren werden bereits heute in der ganzen Welt täglich angewendet, wie beispielsweise der Einsatz von synthetischem Insulin bei Diabetes. Es ersetzt die tierischen Produkte, die bis vor zwanzig Jahren noch benutzt wurden. Joachim profitiert von einigen der aktuellen Entwicklungen, wie zum Beispiel der Implantierung von kleinen Geräten, die bestimmte Dosierungen überwachen und freigeben. Ein großer Teil des gegenwärtigen Forschungsinteresses gilt der Behandlung von Krebs. Dazu gehört das komplette Spektrum der Entwicklungsphasen, von bereits angewendeten Therapien bis zu klinischen Testphasen und der experimentellen Erprobung von Ideen im Labor. Die Behandlung von Demenz durch die Verminderung der Ablagerungen im Gehirn, die vermutlich Alzheimer verursachen, befindet sich beispielsweise noch in einer frühen Entwicklungsphase. Dies gilt auch für die Technologie, die LiLi B ihre makellose Haut beschert. Durch sie kann neue Haut (oder sogar neue Organe) nachgezüchtet werden, um verletzte Hautareale zu versorgen, ohne auf andere Körpergewebe oder Transplantate zurückgreifen zu müssen. Überdies wird eine intensive Forschung zum medizinischen Einsatz von Cannabis betrieben. In den USA wird in immer mehr Bundesstaaten der Einsatz von Cannabinoiden für medizinische bzw. Erholungszwecke legalisiert.

Die wissenschaftliche und technologische Revolution im Gesundheitswesen geht mit einem radikalen Wandel der Struktur des industriellen Sektors einher. Während vor zwei, drei Jahrzehnten die kommerzielle Entwicklung von neuen Arzneien mehrheitlich den großen Pharmakonzernen vorbehalten war, findet heutzutage ein Großteil der frühen und auch späteren Entwicklungs- und Testphasen in kleinen und mittleren Unternehmen statt. Viele von ihnen werden häufig in Kooperation mit Universitäten als nicht börsennotierte Start-ups ins Leben gerufen und dann später beispielsweise an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq notiert. Manchmal werden sie zu diesem Zeitpunkt von großen Pharma- oder anderen Biotech-Unternehmen aufgekauft. Oder aber sie generieren selbst genügend Erlöse, um die kritische Masse zu erreichen, die nötig ist, um die Arzneimittel, die sie entwickelt haben, selbst zu produzieren und zu vertreiben. Als Folge dieser Entwicklung sind manche der Biotech-Firmen zu riesigen Konzernen angewachsen.

Zunehmende Nachfrage aus den Schwellenländern

Die Biotech-Industrie verzeichnete in den vergangenen fünf Jahren ein beeindruckendes Umsatzwachstum. Es wird von Deloitte auf rund elf Prozent pro Jahr geschätzt. Während jede Zukunftsprognose mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist, scheint jedoch ein rasantes und damit zweistelliges Umsatzwachstum naheliegend. Dies würde das breite Spektrum der bislang noch nicht realisierten Möglichkeiten für neue Therapien widerspiegeln sowie das eingesetzte Finanz- und Humankapital und die offensichtliche Leistungsfähigkeit des neuen Wissenschaftszweiges.

Um diesen letzten Punkt noch einmal zu verdeutlichen: Die Erfolgsquote für Biotech-Arzneien in klinischen Studien der Phase 1 ist im Vergleich zu konventionellen Pharmaprodukten (mit einer kleinen Anzahl von Atomen) laut McKinsey mehr als doppelt so hoch. Während Haushaltsengpässe vielleicht zu einer Zurückführung der Gesundheitsausgaben in den Industrieländern führen werden, wird dies durch die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern höchstwahrscheinlich zumindest ausgeglichen.

Für Investoren bietet die Biotechnologie eine interessante Mischung aus hohem Wachstumspotenzial und hoher Volatilität. Im Rückblick wird das schnelle Umsatzwachstum in diesem Sektor auch durch die Aktienrenditen bestätigt. Der Nasdaq Biotech-Index, der seit 1993 existiert, stieg im Jahresdurchschnitt um 14,3 Prozent (Januar 1995 bis Juli 2016). Der marktbreite S&P 500 Index erreichte im gleichen Zeitraum eine Jahresrendite von nur 4,7 Prozent. Allerdings ist die Volatilität (Schwankungsbreite) im Biotech-Sektor um einiges höher. Das liegt zum einen an den starken Kurssprüngen der einzelnen Biotech-Aktien. Dabei werden häufig tägliche Schwankungen von 20 Prozent oder mehr beobachtet, insbesondere als Reaktion auf gute oder schlechte Nachrichten bezüglich des Erfolgs von klinischen Studien, Zulassungsanträgen oder potenziellen Übernahmen. Aber auch die gesamte Branche ist häufig wechselnden Trends ausgesetzt.

Ein Blick in die Vergangenheit offenbart, dass diese Volatilität vor allem in 2015 besonders hoch war. Dabei haben sich die Kurse in nur zwölf Monaten fast verdoppelt, bevor die Blase platzte. Eine Vielzahl überraschender Erfolgsnachrichten von einer Reihe von Biotech-Firmen trafen auf eine hohe Nachfrage nach Alternativen in Anbetracht der Niedrigzinspolitik und einem trägen globalen Wachstum. Dies wiederum führte dazu, dass viel Kapital in börsennotierte und auch nicht börsennotierte Firmen in dieser Branche investiert wurde, wodurch die Kurse stiegen und eine Dynamik entstand, die noch mehr Kapital anzog. Das Platzen der Blase erfolgte dann einerseits dadurch, dass Investoren begannen, ihre Gewinne mitzunehmen, aber auch durch die  Kritik von Politikern wie Hillary Clinton an der Preispolitik im Gesundheitswesen.

Ungeachtet der spezifischen Ursachen kann dies als Beispiel für den Hype-Zyklus gesehen werden. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, welches bei der Einführung neuer Technologien und neuer Investitionsmöglichkeiten zum Tragen kommt und welches sich bis zum Eisenbahnbau des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt und kürzlich erst im Kontext von Solarenergie und Dotcom-Firmen zu beobachten war. Die Unternehmen einer neuen Branche stehen dann plötzlich im Fokus der Medien und Investoren, wodurch eine Blase entsteht, die bald schon wieder platzt. Die Preise sinken in der Folge auf ein Niveau, von dem aus sie ein weniger spektakuläres dafür aber angemessenes und nachhaltiges Wachstum über viele Jahre erzielen können. Auch hier ist eine gewisse Volatilität zu beobachten, aber nicht in der Größenordnung einer Blase. Es besteht die hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass auch die Entwicklung der Biotech-Aktien diesem Muster folgen wird und sie nun das Potenzial für ein langfristiges Wachstum haben, ohne dass Kursausschläge in einer Größenordnung wie in 2015 zu erwarten sind.

Quellen:

Christine Shields

„Die Biotechnologie ist an einem strategisch idealen Zeitpunkt angekommen. Einerseits ist sie den Kinderschuhen entstiegen, andererseits  besteht für die Zukunft ein enormes Wachtumspotenzial.“

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