Überschwemmungen, Dürre, Tsunamis, die Erhebung der Munich Re zählt sie alle zusammen und addiert die Naturkatastrophen fein säuberlich auf. Und kommt zu der Erkenntnis, dass sich die Anzahl der „Schadensereignisse“ zwischen 1980 und 2015 nahezu vervierfacht hat. Dabei geht es nicht um einzelne Ausreißer, die die Statistik prägen. Nein, die Zahlen steigen stetig an, notierte das Versicherungshaus im März 2016. Vordergründig ist hier zwar die Politik gefordert zu handeln, um zum Beispiel die diesem Trend zugrundeliegende Erderwärmung durch internationale Verträge und Abreden zu bremsen. Gefragt sind aber auch die Unternehmen, deren Produktionsprozesse zur Klimaerwärmung beitragen. Und je mehr sie dabei umdenken, umso besser auch für deren Investoren. Ein Zusammenhang, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Bond statt Bankkredit

Unternehmen finanzieren sich zunehmend über den Kapitalmarkt. Sie begeben also Anleihen, die von Investoren gekauft werden. Zuvor klopfen die Geldgeber die Wertpapiere auf wichtige Kennzahlen ab – welcher Zins versprochen wird oder wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit ist. Am Ende dieser Überlegung steht die Entscheidung für oder gegen den Kauf. Immer wichtiger wird dabei ein weiterer Aspekt. Und der hat eben mit dem Klima zu tun.

ESG-Kriterien sind es, die diesen Analysen eine weitere Facette hinzufügen. Das „E“ steht dabei für „Environment“, das „S“ für „Social“ und das „G“ für „Governance“. Spezialisierte Ratingagenturen untersuchen und bewerten die Strategie der Unternehmen im Hinblick auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Frage also, inwieweit ein Unternehmen die Umwelt respektiert oder die Belange der Mitarbeiter. Und das zahlt sich doppelt aus.

Zum einen für die Umwelt – dafür sorgt der stete Druck auf die Unternehmen, ihr Verhalten in Sachen ESG zu verbessern. Den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, zum Beispiel. Zum anderen profitieren auch die Investoren. Denn Studien zeigen, dass die Ertragsaussichten nachhaltiger Anleihen so hoch sind wie die konventioneller Investments, doch deren Risiken etwas niedriger. Das lockt Anleger in Zeiten niedriger Leitzinsen und gestiegener Unsicherheiten. Der „Best-In-Class-Ansatz“ lässt das Geld dabei in jene Unternehmen strömen, die die ESG-Kriterien besser als die Konkurrenz erfüllen.

Interessanterweise werden dabei auch Unternehmen berücksichtigt, deren Branchen alles andere als „grün“ gelten – wie zum Beispiel die Ölindustrie. Es geht in diesem Ansatz eben genau darum, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die in messbaren Kriterien (wie beispielsweise dem Ausstoß von Kohlendioxid) besser sind als ihre Mitbewerber.

Die Urteile darüber fällen die angesprochenen Rating-Agenturen. Ähnlich wie klassische Analysten, die Unternehmensanleihen auf die herkömmlichen Kerndaten abklopfen, achten die Nachhaltigkeitsexperten auf die ESG-Kriterien. Unternehmen, die mehr überzeugen, bekommen ein höheres Rating als ESG-Zauderer. Und die Überzeugung ruht auf starken Fundamenten, wie eine Großuntersuchung verschiedener Studien zeigt. 62,6 Prozent der Analysen berichten von einem positiven Effekt der ESG-Kriterien auf die Wertentwicklung. Bei Anleihen ist dieser sogar noch größer – 63,9 Prozent sehen eine Verbesserung durch die Berücksichtigung der ESG-Kriterien, bei Aktien sind es 52,2 Prozent.

Der Hebel – ganz ohne Finanzzauberei

Ein Trend, der sich verstärken dürfte und damit ein Zeitgeist ist. Denn der „Best-In-Class“-Gedanke zwingt die Unternehmen dazu, mit gutem Verhalten um die Gelder zu buhlen. Er hält aber auch Investoren dazu an, entsprechend zu investieren. Ein machtvoller Hebel quasi, ganz ohne Finanzzauberei. Bereits jetzt wächst das Volumen der nachhaltig investierten Gelder stetig. Und mehr Geld bedeutet auch mehr Macht. Macht, etwas für die Umwelt zu tun – und gleichermaßen für die Wertentwicklung des eigenen Portfolios.

Nachhaltige Bonds sind eine aufstrebende Anlageform, die vom politischen und gesellschaftlichen Zeitgeist vorangetrieben werden. Grüne Rendite – im Dienst von Anleger und Umwelt.

Giles Keating

Mir gefällt die Vorstellung einer “grünen Rendite” – eine faire Rendite, die nicht die Welt kostet! Interessant ist ein Anleiheportfolio, das angesichts des Kreditrisikos eine angemessene Rendite bietet und dessen Performance den breiteren Markt sogar überflügelt, was die ökologischen, sozialen und führungsbezogenen Aspekte der Unternehmen angeht.

Valérie Plagnol

Nachhaltige Anleihen bieten viele Vorteile. Die Emittenten sind in der Regel etablierte Unternehmen mit AAA- oder AA-Rating. Die Papiere bieten eine relativ liquide, nicht so volatile Basis wie andere Anlageklassen; und zu guter Letzt sind sie in einem gemischten Portfolio SRI-konform.

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