Fußball, Football, Basketball – in vielen Sportarten geht es um die richtige Kombination von offensiven und defensiven Elementen. Den schnellen Flügellauf ebenso wie das Absichern eines Spielstands. Münden kann das in publikumswirksamen Bildern voller Leidenschaft. Und ganz nebenbei in einen milliardenschweren Markt, der auch für Anleger interessant ist. Beispiele gefällig?

Romelu Lukaku wechselt für 85 Millionen Euro zu Manchester United, Paul Pogba ist für 105 Millionen Euro in ein neues Trikot geschlüpft. Und Neymar dos Santos Junior soll Paris Saint Germain 222 Millionen Euro wert gewesen sein. Geld schießt zwar keine Tore, aber immerhin öffnet es die Tore für noch mehr Geld. Die Rekordablösen im Fußball entfalten nämlich einen Sog, der andere Vereine dazu bringt, finanziell ebenfalls nachzulegen. Und das schlägt sich auch in den Umsatzzahlen der Sportwirtschaft nieder. Allein 2017 erzielten fünf Segmente dieser Industrie in der Summe 90,9 Milliarden Dollar. 2005 war es nur halb so viel. Ähnlich dynamisch dürfte es dank der stetig steigenden Nachfrage zum Beispiel aus Fernost weitergehen. Ein Markt, wie geschaffen für zeitgeistiges Investieren. Wenn ein paar Spielregeln beachtet werden. Die wichtigste lautet, nicht nur auf ein Segment zu setzen.

Segment 1 sind vor allem drei international aktive Fußballclubs, Manchester United, Juventus Turin, Dortmund. Manchester United beispielsweise hat die meisten Fans weltweit – und das bedeutet hohe Besucherzahlen im Stadium und hohe Verkaufszahlen der Trikots sowie ein starkes Online-Marketing. Juventus Turin wiederum hat nicht nur drei Jahre in Folge Italiens Serie A gewonnen und ist in den vergangenen drei Jahren zweimal erst im Champions-League gescheitert, sondern hat auch entsprechend viele Fans. Borussia Dortmund wiederum ist nicht nur sportlich erfolgreich, sondern unter anderem durch den Verkauf von Ousman Dembélé für 105 Millionen Euro an Barcelona auch wirtschaftlich kraftvoll. Damit haben sie ausreichend Geld auf der Auswechselbank, um in neue Spieler zu investieren und damit in der lukrativen Champions-League angreifen zu können.

Buchmacher sind Segment Nummer 2, das von der weltweiten Freude am Sport profitiert. Immerhin weiß heute jeder Fan, dass er auf eine Partie oder ein Sport-Event auch wetten kann. Nicht nur auf den Ausgang, auch auf Elfmeter oder sogar Verletzungen. Entsprechend stiegen die Umsätze der „bookies“ in den vergangenen 10 Jahren. So dürfte es auch weitergehen. 2018, so lauten Prognosen, soll der weltweite Wert zum Beispiel von Online-Wetten bei rund 42 Milliarden Euro liegen. 2009 waren es noch gut 19 Milliarden.

Vor der Wette kommt jedoch die Information – ist Neymar fit, hält die Wade von Radstar Christopher Froome? Sportmedien liefern diese Informationen und beschleunigen damit den gesamten Sektor. Sind also so etwas wie der Turbolader der Sportindustrie. Und Profiteur Nummer 3. Für die Zuschauer rechnet sich das mit schnellen Bildern und Berichten, für die Anbieter vor allem buchhalterisch. Sky zum Beispiel kassiert monatlich zwischen 40 und 60 Euro von Zuschauern, die Lust auf Fußball und andere Sportarten aus Europa haben. Und wer zuletzt den Kampf zwischen Floyd Mayweather und Connor McGregor sehen wollte, musste dafür 30 Dollar zahlen – um das Sportereignis via Computer streamen zu können.

Was zählt noch dazu außer Begeisterung für einen Sport, das Mitfiebern? Das richtige Outfit. Der schlichte Fan-Schal war gestern, heute ist es längst das Trikot von Neymar, die Schuhe von Ronaldo. Und jedes Jahr gibt es eine neue Kollektion davon. Beim Fußball in Europa ebenso wie beim Basket- oder Football in Amerika. Und nicht nur für den Fan selbst, sondern für den künftigen Anhänger: Auch Baby-Strampler in Vereinsfarben sind zu haben. Für den Fan geht das ins Geld, für die Unternehmen geht es ums Geld: Allein das durchschnittliche Spielertrikot aus Europa kostet 80 Euro. Millionen werden davon verkauft. Und neue Produktionsmethoden schaffen neue Möglichkeiten. 3Drucker zum Beispiel, wie sie bei Adidas, Nike und Under Armour zum Einsatz kommen, reduzieren die Kosten und steigern die ohnehin schon sportlichen Produktionszahlen.

Den Schlussspurt für diese Wachstumsindustrie setzt aber ein fünftes Element. Und trifft das Herz des Sports. Der Königsweg, seinen Sport zu genießen, ist bekanntlich live im Stadion. Daran verdienen die Vereine, aber auch der Betreiber der Arena. Jedes Jahr verkaufen diese Unternehmen wie der Madison Square Garden Millionen Tickets. Sie verbreitern damit ihre Kundenbasis ganz ähnlich wie Investoren ihre Risiken streuen. Denn die Arenen taugen nicht nur für Sportevents, sondern auch für Konzerte.

Sport richtig zu feiern braucht die Sportler, klar. Aber eben auch die Arenen, das Outfit, das Drumherum. In der Summe trifft der Sport damit den Zeitgeist – und macht damit die Strategie aus fünf Segmenten zu einem Zeitgeist-Investment.

ROBERT HALVER

Sport geht alle etwas an. Alle machen Sport, alle schauen Sport, es ist ein Massenphänomen geworden. Schon im alten Römischen Reich gab es „Brot und Spiele“. Man hat damit die Menschen von den Problemen des Alltags weggelockt, das ist heute ganz genau so. Sport verbindet, hat für mich integrative Kraft.

GILES KEATING

Im Bereich Sport gibt es fünf interessante Segmente: die Vereine selbst, wie etwa Manchester United oder Dortmund. Dann sind es die Medienfirmen, die die Spiele übertragen. Außerdem die Bekleidungsfirmen und die Schuhhersteller wie Nike. Ausserdem gibt es die Stadien, wo die Spiele ausgetragen werden, und zum Schluss noch die Buchmacher und Wettbüros.

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