Als der Goldpreis im September 2011 sein vorläufiges Hoch erreichte, sprach sich die Investorengemeinde fast unisono für eine Fortsetzung der Rally aus. Nun, 700 US-Dollar tiefer, wurde der Abgesang auf Gold angestimmt. „Gold fällt unter 1.000 US-Dollar“ – Investmenthäuser und Rohstoff-Experten haben zu diesem Thema ihren Konsens gefunden. Was der wert ist, wird sich zeigen. Ausgeschlossen ist nichts, denn der Goldpreis kann kurzfristig sehr stark schwanken. 2014 fiel der Preis innerhalb von nur wenigen Wochen um mehr als 20 Prozent. Langfristig allerdings kann Gold die gewünschte Diversifikation in ein Portfolio bringen, da es sich oft anders verhält als andere Geldanlagen wie Aktien und Anleihen.

Vor einem Jahrzehnt kostete die Feinunze Gold noch weniger als 1.000 US-Dollar, startete dann eine außergewöhnliche Rally bis auf das Hoch von über 1.900 US-Dollar im August 2011. Verantwortlich dafür waren drei Faktoren: Erstens die Ängste vor einem Zusammenbruch des Bankensystems nach der Pleite der Investment Bank Lehman Brothers, die eine Finanzkrise auslöste. In Folge geriet die Eurozone in existenzielle Schwierigkeiten, woraus der zweite Faktor resultierte: Rund um den Globus senkten die Notenbanken die Zinsen. Das machte die Einlagen der Sparer im Vergleich zu Gold unattraktiv. Und drittens stiegen die Energiepreise, was die Kosten für die Goldproduktion in den Minen erhöhte.

Genau die drei Faktoren waren es dann auch, die sich seit 2011 in die genau andere Richtung entwickelten. Die Sorgen über einen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems gingen zurück, auch weil sich vor allem die US-Banken wieder in ruhigeres Fahrwasser zurück bewegten. Im Sommer 2012 versprach der Präsident der Europäischen Zentralbank mit den historischen Worten „Whatever it takes…“ alles notwendige für den Euro zu tun, um diesen Worten Taten in Form von Billionen schweren Anleihekaufprogramme folgen zu lassen. Wenn auch nur sehr langsam, setzte 2013 eine Trendwende bei den US-Zinsen ein. Ein Jahr später brach dann der Ölpreis zusammen, was letztendlich den Goldpreis bis Ende 2015 wieder zurück auf knapp 1.100 US-Dollar beförderte.

Ende des Bärenmarktes

Seitdem gibt es Anlass zu der Einschätzung, der Bärenmarkt könnte zu Ende gehen. Denn fundamental hat sich inzwischen einiges verändert. Einige große Goldminen können auf diesem Preisniveau nicht mehr rentabel arbeiten und müssen schließen. Die jüngste Erholung der Ölpreise erhöht hier noch einmal mehr den Kostendruck. Was die Zinsentwicklung angeht, lauert hier der Risikofaktor für den Goldpreis. Zwar müssen die von der US-Notenbank für 2017 angekündigten drei Zinserhöhungen so wenig kommen wie die zuvor für 2016 avisierten vier, wovon am Ende eine übrig geblieben ist. Aber dass die Zinsen weiter steigen werden, davon ist sowohl nach Trumps vollmundigen Wachstumsversprechen als auch vor dem Hintergrund wieder anziehender Inflationsraten auszugehen.

Risiken, wohin man schaut

Bleibt als dritter Faktor das Thema Unsicherheit. Und hier hat der Neue im Weißen Haus schon in den ersten zwei Wochen seiner Amtszeit so viele Duftmarken gesetzt, dass nicht wenige schon Szenarien durchrechnen, wie wohl eine Welt nach vier Jahren Trump mit Protektionismus statt Globalisierung und Handelskriegen statt Freihandel aussehen könnte. Und nicht nur wirtschaftlich lauern hier Risiken. Denn während das globale Finanzsystem nun einigermaßen stabil ist, steigen die geopolitischen Spannungen sowohl im Nahen Osten als auch in Gebieten wie dem Südchinesischen Meer. Zudem stehen in Europa richtungsweisende politische Entscheidungen an, die in Kombination mit dem Brexit die Europäische Union erneut vor eine harte Bewährungsprobe stellen dürften.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die drei Triebkräfte für den Goldpreis sich aktuell eher ausgeglichen präsentieren. Und auch wenn es noch zu früh ist, von einem neuen großen Aufwärtstrend zu reden, kann Gold wegen seiner langfristigen Eigenschaften wie Werterhalt und Diversifikationseffekt eine wichtige Rolle in einem Portfolio spielen. Das Risiko steigender Zinsen in den USA lässt sich gerade für den Euro-Anleger dadurch kompensieren, dass mit steigenden Zinsen auch der US-Dollar attraktiver werden sollte und damit auch der Goldpreis in Euro steigt, ohne dass das Edelmetall selbst an Wert zulegen muss.

Seine Gegner bezeichnen Gold in jüngster Zeit oft als ein einziges Missverständnis in der Investmenthistorie. Aber auch seine Fans entzogen dem Gold in den vergangenen Jahren ihre Liebe mehr und mehr, weil es nicht mehr so glänzte, wie sie es vom Edelmetall lange Zeit gewohnt waren. Liebe aber verschwindet nicht und Missverständnisse lassen sich aufklären. Wenn das Objekt der Begierde nun um 40 Prozent billiger zu haben ist als noch zu Zeiten, als es alle haben wollten, könnte der richtige Moment für Gold als neuer Zeitgeist gekommen sein.

Giles Keating

Erstens ist der Goldpreis gefallen – gegen den Euro nur ein wenig, aber gegen den Dollar sehr stark. Daraus ergibt sich der zweite Grund: Ich glaube, der Dollar wird sich verteuern, so dass ein eurobasierter Anleger durch den Kauf von Gold, das ja in Dollar notiert wird, einen Gewinn erzielen kann. Und der dritte Grund ist die politische Unsicherheit überall in der Welt.

Robert Ruttmann

In 2017 gibt es einige Gründe, warum Gold als sicherer Hafen angesteuert werden könnte. Es besteht das Risiko eines Handelskrieges, ausgelöst durch die neue US-Regierung. Außerdem gibt es wichtige Wahlen in Frankreich und Deutschland, wo das Risiko besteht, dass Parteien, die die EU verlassen wollen, an die Macht kommen.

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