Nur das zu kaufen, was man versteht – neben seinem märchenhaften Vermögen ist Warren Buffett auch für solche klaren Anlegertipps bekannt. Der aktuelle Zeitgeist könnte ihm daher gefallen.

Denn der Markt der Haustiere ist ein einfach zu verstehender Wachstumsmarkt. Lumpi & Co werden geliebt, verwöhnt, umsorgt – und eine ganze Reihe Unternehmen verdienen damit eine Menge Geld. Es geht um die richtige Ernährung, die richtige Pflege. Denn Gesundheitsbewusstsein gilt nicht nur für Zwei-, sondern auch für Vierbeiner. Auch die leiden unter Hautkrankheiten, Fettleibigkeit oder Arthritis. Kein Wunder also, wenn immer mehr Tiernahrung ähnlich wie die für Menschen beworben wird – keine künstlichen Farb- oder Geschmacksstoffe, statt dessen zusätzliche Vitamine, Mineralien und Antioxidantien. Weil dieser Trend auf ein höheres verfügbares Einkommen trifft, steigt der Absatz entsprechender Nahrungsmittel. Doch das ist nicht alles. Auch wenn es um das grundsätzliche Befinden ihrer Tiere geht, lassen sich Herrchen und Frauchen nicht lumpen. Seien es Luxuskörbchen, Versicherungen oder die medizinische Versorgung; zwischen 2016 und 2020 soll die Branche jährlich um 4,75 Prozent wachsen.

Die Margen des Geschäfts können sich dabei sehen lassen. Die Tiergeschäfte zum Beispiel bringen es auf geschätzte Bruttomargen von 35 bis 45 Prozent. Ein Gutteil davon dürfte Amerika abschöpfen. Über 40 Prozent des Marktes soll den Amerikanern gehören. Unter anderem, weil dort die skizzierten Entwicklungen offenbar besonders deutlich ausgeprägt sind. Und die steigende Zahl der Haustierbesitzer bereit ist, entsprechend tief in die Tasche zu greifen. Rund 60 Prozent der Haushalte besitzen dort ein Tier.

Das lockt die Anbieter und verschärft deren Wettbewerb. Es geht um Produktportfolien, um Qualität, um Preise. Viele versuchen daher, in anderen Märkten Fuß zu fassen, Südamerika zum Beispiel. Dieser Wettbewerb dürfte in den kommenden Jahren in einer Marktkonsolidierung münden.

In der Summe wird erwartet, dass der Tierfuttermarkt zwischen 2017 und 2022 jährlich um 3,6 Prozent wachsen wird. 2016 warf dieser Markt bereits 24,6 Milliarden Dollar ab, 2022 sollen es bereits 30 Milliarden Dollar sein. Es geht aber nicht nur um Trocken- oder Nassfutter, um Snacks und ähnliche Nahrungsmittel.

Auch die Assekuranz hat Heimtierhalter als Zielgruppe ausgemacht. RSA zum Beispiel hat ein Netzwerk von 28 Tierarztpraxen installiert und damit eine Anlaufstation für Tiereigner geschaffen – für jene Behandlungen, die nicht essentiell sind. Und wenn es eine andere Praxis sein soll, kostet es 200 Pfund extra. Die Prämien für Tierversicherungen in Großbritannien, so rechnet das Research-Unternehmen Mintel, sollen von 976 Millionen Pfund im Jahr 2015 auf 1,6 Milliarden Pfund im Jahr 2021 steigen. Das macht den Markt attraktiv für Versicherungen, die sich mit den klassischen Produkten wie Hausrat- und Pflegeangeboten einen Verdrängungswettbewerb liefern. Bereits heute sind 15 Prozent mehr Anbieter in Sachen Tierversicherungen aktiv als noch vor vier oder fünf Jahren.

Einziger Wermutstropfen – auch die Zahl der entsprechenden Ansprüche gegen die Versicherungen in Großbritannien steigt. Erst im vergangenen Jahr wurde mit 675 Millionen Pfund ein Rekord verzeichnet. Das entspricht einem Plus von neun Prozent. Meist geht es um die Kosten medizinischer Behandlungen, im Schnitt beispielsweise pro Hund 730 Pfund.

Rund drei Fünftel der Hundeeigentümer und zwei Fünftel der Katzenbesitzer besitzen schon entsprechende Versicherungen. Und es dürften mehr werden. Denn der medizinische Fortschritt, wie er inzwischen den Menschen zugänglich ist, wird Schritt für Schritt auch bei den Tierärzten ankommen. Und das kann teuer werden. Die Kosten einer Kreuzbandoperation bei Hunden zum Beispiel können sich auf 2.500 Pfund belaufen. Wohl dem, der versichert ist. Übrigens – noch ein weiteres Element der Humanmedizin hat bei Hunden Einzug gehalten. Mit PitPat hat eine Versicherung eine Art Fitnesstracker für Hunde vorgestellt. Im Halsband montiert, hält es fest, wie viel das Tier sich bewegt.

Hunde mit Bewegungsmelder; das zeigt, wie sehr der Markt in Bewegung geraten ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und da diese machtvolle Entwicklung eher still fortschreitet, passt sie genau ins Zeitgeist-Investment-Schema.

Robert Ruttmann

In Studien wird festgestellt, dass sich die Haustierhaltung sehr positiv auf das menschliche Wohlbefinden – sowohl das körperliche als auch das emotionale – auswirken kann. Das könnte zu einer steigenden Zahl von Tierbesitzern führen, so dass eine durchschnittliche  Wachstumsrate von fünf Prozent für diesen Sektor  möglicherweise zu konservativ ist.

Giles Keating

Es sind zwar nur fünf Prozent, dafür aber ein langsames, stetiges Wachstum – und recht zuverlässig. Das gefällt mir, gerade als Ausgleich für andere Sektoren. Die Bewertungen übrigens sind zwar hoch, aber keineswegs so hoch wie die von einigen anderen Zeitgeists.

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