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Trump und Brexit: Belastung für die europäischen Aktienmärkte

  • Die designierten US-Minister signalisieren weitere Anti-Dumping-Maßnahmen gegen einzelne Unternehmen
  • 28 Länder und das EU-Parlament erschweren Brexit-Verhandlungen, das Risiko von britischen Zöllen auf europäische Güter könnte steigen
  • Die Finanzmärkte sind zu optimistisch

In der BILD-Zeitung vom 15. Januar droht Donald Trump BMW mit Strafzöllen von 35 Prozent auf Importe aus dem neuen mexikanischen Werk des Konzerns. Zwei Tage später verkündete Theresa May, dass EU-Importe mit Zöllen belegt würden, wenn nicht innerhalb der zwei Jahre, die die Brexit-Verhandlungen in Anspruch nehmen, ein Deal zustande kommt.

Aktuell scheinen die Anleger die Implikationen dieser Ankündigungen für europäische Unternehmen noch herunterzuspielen. Die Aktienkurse der großen deutschen Autobauer fielen nach Trumps Äußerung zwar kurzfristig, erholten sich dann aber wieder. Das ist eine relativ normale Reaktion des Marktes auf Drohungen, die noch vage sind und in der Zukunft liegen. Bisherige Erfahrungen aber sprechen dafür, dass, sobald die Gefahr zeitlich näher rückt und konkreter wird, die Märkte sich darauf fokussieren und Aktien verstärkt abgestoßen werden.

Was passiert, wenn die Hinweise auf eine mögliche Bedrohung des Welthandels zunehmen? Ein allgemeiner Handelskrieg zwischen den USA und Europa ist unwahrscheinlich.Aber es könnte sein, dass einzelne Unternehmen ins Visier genommen werden. Der designierte amerikanische Handelsminister Wilbur Ross hat umfassendere Anti-Dumping-Bestimmungen für Unternehmen angekündigt, die auf angeblich unfaire Weise zum US-Defizit beitragen. Viele Republikaner im amerikanischen Kongress sind zwar gegen Protektionismus, allerdings könnten derartige Einzelmaßnahmen nicht vom Kongress aufgehalten werden.

In England wird die durch den Supreme Court bestätigte Notwendigkeit einer Zustimmung des britischen Parlaments zum Brexit diesen wahrscheinlich nicht verhindern, könnte aber die Verhandlungsposition der Regierung einschränken. Es ist davon auszugehen, dass Theresa May ihre Drohung wahr macht, dass Großbritannien die EU verlässt und Zölle erhebt, wie sie in den Regeln der World Trade Organisation (WTO) spezifiziert sind, falls innerhalb der zwei Jahre nach Beginn der Austrittsverhandlungen kein Deal vereinbart würde. Großbritannien muss diese Zölle erst einmal aushandeln, da es momentan kein eigenständiges Mitglied der WTO ist. Wären es die gleichen Zölle, wie sie gegenwärtig für den Handel der EU mit Ländern außerhalb der Eurozone gelten, wären 10 Prozent für Autos fällig. Unterschiedliche, meist niedrigere Stufen würden für andere Güter gelten. Diesbezüglich gibt es tausende von Spezifizierungen in den Auflistungen der WTO, angefangen von Aalen und Tintenfischen bis zu Uhrenteilen und Damenschuhen, deren Innensohlen größer als 24cm sind.

Weder Theresa May noch irgendein anderer führender britischer Politiker hat die Verhängung solcher Zölle als wünschenswertes Ergebnis dargestellt, dennoch wird damit gedroht. Das Risiko besteht darin, dass die Verhandlungen scheitern, obwohl alle um eine Lösung bemüht sind, da alle 28 EU-Mitglieder und das Europäische Parlament zustimmen müssen, was nicht so einfach werden dürfte. Überdies hat Angela Merkel ausdrücklich erklärt, dass sie sich das Gesamtpaket anschauen wird, einschließlich sozialer Aspekte wie der Immigration, und dass sie einzelnen Branchen wie dem Automobilsektor keine Sonderbehandlung einräumen wird.

Vor einem Jahr haben die Investoren, angelockt von niedrigeren Bewertungen und der Aussicht auf ein verbessertes Wachstum, noch den Kauf europäischer Aktien bevorzugt – in der Annahme, dass sie US-Aktien outperformen würden. Dieser Deal erwies sich noch vor dem Brexit-Referendum und der Wahl in den USA als Verlustgeschäft und mittlerweile ist die Bewertungslücke größer als zum damaligen Zeitpunkt: US-Aktien wurden Ende Januar mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,5 bewertet, Europa (Stoxx 600) im Vergleich dazu mit 14 und Deutschland (DAX) mit 13. Historisch betrachtet sind US-Aktien zwar immer höher bewertet, aber die aktuellen Unterschiede sind außergewöhnlich groß. Die Gründe dafür sind unter anderem ein verlangsamtes Wachstum in Europa und die berechtigten Sorgen über Trumps Politik und den Brexit.

Für Anleger ist ein Risiko, dass die Unterschiede noch größer werden, wenn diese negativen Szenarien tatsächlich eintreten.  Spezifische Auslöser könnten US-amerikanische Anti-Dumping-Verfahren gegen ein oder mehrere deutsche Unternehmen sein oder Anzeichen grundlegender Differenzen im Rahmen der Brexit-Verhandlungen unter den EU-Ländern. Außerdem bleiben die europäischen häufig hinter den US-Aktienmärkten zurück, wenn es zu einer allgemeinen Verkaufswelle kommt. Diese könnte wiederum durch wachsende Bedenken angesichts der Handelsproblematik angestoßen werden. Die Schlussfolgerung für Anleger ist, dass sie in Bezug auf Aktien insgesamt Vorsicht walten lassen sollten. In ihren Portfolios sollten sie zudem bei der Länderallokation Europa schwächer als die USA gewichten, zumindest bis eine Preiskorrektur erfolgt ist, die die potenziell schlechten Nachrichten über die internationalen Handelsbeziehungen stärker berücksichtigt.

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