ALLE NACHRICHTEN

Trump vor Handelskrieg mit China? – Unsicherheit für die Finanzmärkte

  • Was die Beziehungen zwischen den USA und China angeht, sind die Märkte zu optimistisch
  • Laut Trump hat sich China unlautere Vorteile im Welthandel, in der Geopolitik und durch seine Aktivitäten im Netz erarbeitet
  • Trump könnte einen Handelskrieg schneller anzetteln als von Investoren erwartet, denn er betrachtet China als verwundbar, was Schulden und soziale Probleme angeht
  • Während schwieriger Verhandlungen kann es zu erheblichen Kursverlusten an den Märkten kommen, die sich dann nach dem Deal wieder erholen sollten

Mit der Amtseinführung von Donald Trump am 20. Januar werden den Worten Taten folgen und Investoren sehen, was tatsächlich in den ersten 100 Tagen passiert. Wir sehen das Risiko einer stärkeren Korrektur an den weltweiten Aktienmärkten, wenn die Trump-Euphorie abebbt und die Spannungen zwischen den USA und China und andere negative Faktoren zum Vorschein kommen, allen voran eine steigende Inflation und höhere Zinsen. Die dann gefallenen Kurse betrachten wir als gute Kaufgelegenheit, da wir davon ausgehen, dass im Hinblick auf Handel und die Geopolitik am Ende eine Vereinbarung zwischen Washington und Peking stehen wird.

Ungleichgewicht in der Beziehung

Donald Trump betrachtet die Beziehung zwischen den USA und China in verschiedenen Bereichen als höchst unausgewogen:

  • Handel (ein im Vergleich zu anderen Ländern weit größerer Teil des US-Handelsdefizits stammt aus dem Handel mit China, wenn man auch den Anteil der Güter aus Drittländern, die über China in die USA gelangen, berücksichtigt – siehe Grafik)

us_china_deu

  • Geopolitik (die USA haben Chinas Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer im Prinzip geduldet, China hat jedoch im Gegenzug nichts Wirksames getan, um der Bedrohung der USA durch Nordkorea zu begegnen)
  • Militär (Chinas Militärausgaben sind stärker gestiegen als die der USA, das gegen Taiwan und weit darüber hinaus gerichtetes Raketen- und Marinearsenal hat sich grundlegend verändert)
  • Cyberspace (Trump hat wiederholt die chinesische Cyberspionage in US-amerikanischen Unternehmen angeprangert, insbesondere das Know-How im High-Tech-Sektor)
  • In Sachen politischer Führung (unter Präsident Obama haben sich diese Probleme gravierend zugespitzt).

Die Asymmetrie ist lediglich in einem Bereich umgekehrt:

  • Strategische und soziale Verwundbarkeit (Chinas Staatsschulden und soziale Spannungen legen nahe, dass es dort im Falle eines weltweiten Wirtschaftsabschwungs zu einem wesentlich größeren innenpolitischen Druck als in den USA kommen könnte).

Das heißt, jeder freundliche oder auch feindliche Dialog der USA mit China wird unterschwellig von der ausgesprochenen oder unausgesprochenen Androhung eines Handelskrieges getragen sein. Unter diesem hätten beide Seiten zu leiden, aber für China wäre die Sache wesentlich riskanter.

Schwierige Verhandlungen

Die Eröffnungszüge in diesem Spiel sind bereits erfolgt. Donald Trump hat drei Schlüsselpositionen mit Hardlinern (Robert Lighthizer, Peter Navarro und Wilbur Ross) besetzt. Chinas „Global Times“ spricht in diesem Zusammenhang von einem protektionistischen “Eisernen Vorhang”. Auf der Website donaldjtrump.com werden derweil eine Reihe von harten Maßnahmen angekündigt (China als Währungsmanipulator darzustellen bis hin zu Klagen wegen unlauterem Wettbewerb, usw.). Zwischenzeitlich bestreiten jedoch einige Mitglieder seines Übergangsteams, dass es Pläne für einen Handelskrieg gibt. Diese Ungereimtheiten deuten auf eine klassische Verhandlungstaktik hin, bei der eine maximale Androhung formuliert wird, während zugleich die Tür für einen Deal geöffnet bleibt.

Aus chinesischer Sicht wäre es sicherlich vernünftig, von einigen der enormen Zugewinne, wie sie in den Obama-Jahren erreicht werden konnten, etwas Abstand zu nehmen, anstatt zu riskieren, dass Trump seine Androhungen in die Tat umsetzt. Ein zumindest teilweises Zurückfahren bzw. eine Neuausrichtung (im Hinblick auf den Handel, ein Zurückweisen Nordkoreas in seine Schranken, militärische bzw. territoriale Expansion und die Cyber-Angriffe) könnte China in absoluter und relativer Hinsicht trotzdem in eine wesentlich stärkere Position versetzen als noch vor einem Jahrzehnt. Und Trump ist am Verhandlungstisch sicherlich erfahren genug, um den Gesichtsverlust für China während des Verhandlungsprozesses möglichst klein zu halten. In der Schlussphase der Verhandlungen dürfte es also höchstwahrscheinlich zu einer Vereinbarung kommen, die für die Weltwirtschaft und die Märkte eine gute Nachricht bedeutet.

Märkte in der Gefahrenzone

Bevor jedoch diese Schlussphase erreicht wird, müssen wir uns wohl auf einen unsanften Ritt an den Finanzmärkten einstellen. China wird sicherlich nicht sofort zu nachhaltigen Konzessionen bereit sei. Beide Seiten werden erst einmal die übliche Fassade von Stärke und Entschlossenheit zur Schau tragen. Und Trumps Team wird vielleicht, ohne tatsächlich einen Handelskrieg auszulösen, zunächst die gesetzlichen Hürden für einen solchen beseitigen. Hier lauert die gefährliche Zone für die Märkte.

Bleiben Sie informiert

 

Abonnieren Sie den kostenlosen Werthstein Brief